„Wie soll ich meine Seele halten, dass sie nicht an deine rührt“ – ach, Rainer, du Maria der Liebeslyrik, was fragst du mich? Dabei will ich doch dich fragen, wie ich mich halten soll, wo doch alles um mich herum im Chaos versinkt. Wir müssen uns aufmachen, auch du und ich. Am Du, wie Bubers Martin sagte, werde ich ja erst zum Ich. Was für ein Schreck, wenn man bedenkt, dass aus dem Du und Ich kein Wir werden darf, denn die Polizei, ich habe es in diesem bunten Bilderkasten gesehen, der stündlich die Nachrichten als neu wiederholt, schreitet ein, im Laufschritt, und treibt sie auseinander, diese Zweibeiner, lauter DUs und ICHs.

Im Sturm, so sagen sie es uns, sollen wir das Land Corona durchqueren. Ein Land, das niemand kennt und von dem doch jeder zu berichten weiß. Gefährlich geht es dort zu. Jeden Augenblick kann dich das Unheil ereilen. Gestern noch half die zuvor allen unbekannte Niesetikette samt Händewaschen, um die Gefahr zu bannen, heute kann das Covid, dieses geschlechtslose Wesen, dir überall auflauern. Die Geschichte scheint einem Horrorfilm entsprungen und wird doch erst im Laufe der nicht vergehen wollenden Zeit zur Geschichte. Wie soll ich eingreifen, was soll ich tun, wo ich doch zum Du muss? Aber dieses Du reißt mir vielleicht das Toilettenpapier, das sprachlich und sicherlich gegen seinen Willen zum gemeinen Klopapier mutierte, aus den Händen. Dann lass ich doch lieber die Konfrontation und sage Ach-tung und entreiße mich mit Hal-tung meinem Willen. Schließlich kann ich dieses heißbegehrte Produkt nicht mal zum Kochen verwenden. Also halte ich mich aufrecht und ziehe erhobenen Hauptes vom Supermarkt-Schlachtfeld. Meine Speisekammer füllt sich inzwischen nicht nur mit WRITERS‘ TEARS, denn wenn ich mich nicht mehr ernähren kann, lacht sich das Covid ins Fäustchen, sofern es ein solches hat. Ach, wie gerne würde ich seine wahre Gestalt, die doch wohl nichts – schon gar nicht die Welt – krönt, und seine Größe kennen. Ich würde es fangen und festhalten, in ein Glas sperren, wenn es denn klein wäre, wenn es groß wäre, würde ich mich in meinem Haus verstecken und so tun, als gäbe es mich nicht. Das geht nicht ewig, denn ich soll mich ja in diesem Leben am Leben halten. Wenn ich nur wüsste, wie ich das denn machen soll. Es gibt die unterschiedlichsten Halterungen, die mich vielleicht erhalten. Hier könnte ich mich mal schlau machen. Buchhaltung oder Haushalt passen nicht zu mir. Eine Bushaltestelle bringt mir gerade auch nichts. Früher gab es wenigstens eine Posthalterei, die für den laufenden Verkehr sorgte. Und auch für das eine oder andere Getränk für Pferde und Fahrgäste. WRITERS‘ TEARS wird nicht dabei gewesen sein. Vielleicht könnte ich ja meine Büsten halten, denn die Wahrscheinlichkeit eines Tages als Büste in einem Museum oder einem Institut für Literatur die Aufmerksamkeit auf selbige und somit auf mich zu ziehen, stehen schlecht. Also dann sollte ich mich doch lieber darauf konzentrieren, das Wasser oder den Whiskey einzuhalten. Ach, du Schreck.

Alles, alles ist im Fluss. Wussten es nicht schon die alten Griechen? Und doch gab es den einen, der erkannte, selbst dann noch, wenn der Strom sich meerbreit öffnet, „was bleibet aber, stiften die Dichter“. Ach, Hölder, mein geliebter Friedrich, lass uns nicht untergehen im Getöse der Brandung, damit wir dem ganzen Unfug namens corona mundi Einhalt gebieten können.